✊ Unser Selbstverständnis ✊

Grundlage

 

Der Total Liberation March ist ein politischer, solidarischer und selbstorganisierter Raum.
Wir verstehen unsere Bewegung als Teil eines umfassenden gesellschaftlichen Befreiungskampfes - gegen Kapitalismus, Patriarchat, Kolonialismus und alle Formen und Institutionen von Herrschaft.

Wir beobachten, dass viele emanzipatorische Kämpfe oft nebeneinander laufen, obwohl sie eigentlich zusammengehören. Mit dem Total Liberation March (TLM) wollen wir einen Raum schaffen, in dem diese Verbindungen sichtbar werden und wir uns gemeinsam organisieren können.

Uns geht es darum, Vereinzelung zu durchbrechen und sichtbar zu machen, dass unterschiedliche Formen von Ausbeutung und Unterdrückung - gegenüber Menschen, nicht-menschlichen Tieren und dem gesamten Planeten - ineinandergreifen und Teil desselben Systems sind. 

Unser Ziel ist es, unterschiedliche Kämpfe zusammenzubringen, voneinander zu lernen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Dieses Selbstverständnis macht transparent, wofür wir stehen und welchen politischen Rahmen wir für den gemeinsamen Prozess und die Demonstration setzen.

 

 

Befreiung statt Reformismus

 

Wir kämpfen für die vollständige Befreiung von Menschen, allen Lebewesen und der gesamten Welt. Unsere Perspektive ist nicht die oberflächliche Reformierung bestehender Verhältnisse, sondern ihre Überwindung.

Gleichzeitig lehnen wir es ab, Veränderungen oder Reformen pauschal zu verwerfen. Für uns sind sie kein Ziel an sich, können aber Teil politischer Praxis sein, wenn sie aus Druck von unten entstehen, Machtverhältnisse verschieben, Ausbeutungsstrukturen angreifen und Befreiungskämpfe stärken.

Reformen, die das bestehende System stabilisieren oder legitimieren, lehnen wir ab.

 

 

Anarchistische und intersektionale Perspektive

Unsere Praxis ist antikapitalistisch, antifaschistisch und anti-autoritär.

Wir verstehen uns als anarchistisch. Mit Anarchie meinen wir nicht Chaos, sondern eine Gesellschaft ohne Herrschaft – freie Menschen in freien Vereinbarungen. Gemeint ist nicht das Fehlen von Organisation oder gemeinsamer Verantwortung, sondern das Fehlen von Zwang, Hierarchien und autoritärer Kontrolle. Stattdessen geht es um Selbstverwaltung, Solidarität und freie Zweckzusammenschlüsse, in denen sich Menschen auf der Basis gleicher Rechte und Pflichten direkt miteinander verbinden und Produktion sowie Ressourcen gemeinschaftlich organisieren.

Wir verstehen verschiedene Befreiungskämpfe als untrennbar miteinander verbunden und als Teil eines gemeinsamen Kampfes gegen alle Unterdrückungsverhältnisse - darunter Rassismus, Sexismus, Queer- und Transfeindlichkeit, Anthropozentrismus, speziesistische und gegen den Planeten gerichtete Gewalt, sowie Diskriminierung, Verfolgung und Feindlichkeit gegenüber Alter, religiösem/spirituellem Glauben, sozialer und kultureller Herkunft, Einkommen und psychischer Gesundheit. 

Kurz: Wir lehnen sämtliche Unterdrückungsverhältnisse ab, egal welches Merkmal sie heranziehen, um eine Hierarchie, Überlegenheit oder Herrschaftsansprüche legitimieren zu wollen.

Wir arbeiten nicht mit Gruppen oder Personen zusammen, die Diskriminierung vertreten, verharmlosen oder nicht klar benennen. Auch vermeintlich „neutrale“ oder „unpolitische“ Positionen sind für uns keine Option, wenn sie strukturelle Gewalt ausblenden.

Antikapitalismus und Systemkritik

Wir richten uns gegen ein System, das auf Ausbeutung, Profitlogik und Ungleichheit basiert - das Profit über Leben stellt und dabei Menschen, nicht-menschliche Tiere und Ökosysteme gleichermaßen zerstört. Kapitalismus ist eng verwoben mit kolonialen Kontinuitäten, ökologischer Zerstörung und globalen Macht- und Ausbeutungsverhältnissen. 

Unser Widerstand richtet sich gegen die Profiteur*innen dieser Verhältnisse – nicht gegen Menschen, die unter ihnen leiden oder in ihnen arbeiten.

Die gemeinsame Praxis ist gewaltfrei. Diese Entscheidung ist ein kollektiver Rahmen für diesen Raum und stellt kein moralisches Urteil über Selbstschutz oder Selbstverteidigung in anderen Kontexten dar.

 

 

Politische Abgrenzung

 

Konkret bedeutet das für diesen Raum:

Selbstdarstellungen, Merchandise, Logos oder Kampagnen von Gruppen oder Einzelpersonen, die

Unterdrückungsformen ausklammern oder relativieren,

sich nicht klar nach rechts abgrenzen,

autoritäre, populistische oder menschenfeindliche Narrative reproduzieren,

oder Befreiungskämpfe von Antikapitalismus und Antidiskriminierung entkoppeln,

sind auf dem TLM nicht erwünscht.

Diese Abgrenzung richtet sich nicht gegen einzelne Teilnehmende, sondern gegen politische Linien, die mit dem Selbstverständnis des Total Liberation March unvereinbar sind.

 

 

Parteipolitische Abgrenzung und Symbole

 

Der Total Liberation March ist kein parteipolitischer Raum. Parteipolitische Mobilisierung, Werbung oder strategische Platzierung sind nicht erwünscht.

Parteimitglieder können als Privatpersonen teilnehmen, sofern sie dieses Selbstverständnis respektieren und nicht im Namen oder Interesse einer Partei auftreten.

Wir bitten darum, auf Partei- und Nationalflaggen sowie nationalistische Symbole zu verzichten. Ausnahmen connect lSymbole antikolonialer, emanzipatorischer Befreiungskämpfe sein. Wir behalten uns vor, diese Ausnahmen einzuschränken, wenn sich Menschen dadurch eingeschüchtert oder ausgegrenzt fühlen.

 

 

Positionierung zu Palästina

 

Als emanzipatorische Bewegung solidarisieren wir uns mit den Menschen in Palästina. Ernährungssouveränität und Befreiung gelten für uns ohne Ausnahme. 

Wir, die organisierenden Kollektive, stellen uns gegen den israelischen Genozid an den Palästinenser*innen und treten für ein befreites Palästina ein. Unsere Solidarität mit Palästinenser*innen richtet sich gegen Entrechtung und Gewalt, nicht gegen jüdische Menschen; antisemitische Positionen lehnen wir ab.
 
Die palästinensische Flagge ist in diesem Kontext kein nationalistisches Symbol, sondern Zeichen eines antikolonialen Befreiungskampfes. Deshalb ist das Tragen der Fahne und ebenso das Tragen einer Kufiya als Solidaritätsbekundung für uns legitim.

Krieg und Antimilitarismus

 

Kriegsführung sehen wir als Werkzeug von Hass, Ausbeutung und Autorität - Autorität durch Vernichtung.


Krieg ist mit keinem unserer Anliegen vereinbar. Er widerspricht dem, wofür wir gemeinsam einstehen: einer Gemeinschaft auf Augenhöhe – zwischen Menschen, nicht-menschlichen Lebewesen und unserer Erde.

 

Krieg wird im Namen von Sicherheit und Verteidigung geführt, dient jedoch wirtschaftlichen und politischen Interessen: Land, Rohstoffe, Kontrolle, Macht und den Profiten der Rüstungsindustrie.

 

Er verstärkt genau die Krisen, gegen die wir Haltung zeigen – er zerstört Lebensräume, vertreibt, tötet und zerstört die Leben von Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen und beschleunigt die Klimakrise.

 

Die Hauptlast tragen jene, die am wenigsten dazu beitragen: Zivilbevölkerung, nicht-menschliche Lebewesen und unsere Mitwelt – nicht jene, die Kriege entscheiden oder an ihnen verdienen. Das Leid, das Krieg verursacht, nehmen wir ernst und relativieren es nicht – unabhängig davon, wo auf der Welt es geschieht.

 

Unsere Solidarität gilt auch all jenen, die sich Kriegen widersetzen – Kriegsdienstverweiger*innen, Deserteur*innen, Friedensaktivist*innen, die für ihr Nein verfolgt, inhaftiert oder bedroht werden.

 

Dem Krieg setzen wir Verbindung, Dialog und gemeinsame Lösungssuche entgegen – statt Spaltung und Feindbilder.

 

Wir bitten darum, auf unserer Demo auf die Rechtfertigung von Militär und Aufrüstung zu verzichten – ebenso auf Symbole oder Äußerungen, die in diese Richtung wirken.

Wir verstehen Frieden als untrennbaren Teil umfassender Befreiung.

Tierbefreiung, Antispeziesismus und Anti-Anthropozentrismus

Wir kämpfen für die vollständige Befreiung von Menschen und nicht-menschlichen Tieren.
Wir verstehen Tierbefreiung als Teil eines umfassenden gesellschaftlichen Befreiungskampfes - gegen Kapitalismus, Patriarchat, Kolonialismus und alle Formen von Herrschaft.

 

Tierausbeutung ist kein Betriebsunfall eines ansonsten funktionierenden Systems, sondern ein struktureller Bestandteil kapitalistischer, staatlicher und neokolonialer Herrschaft. Sie lässt sich nicht "verbessern" oder "humanisieren", sondern muss beendet werden.

 

Reformen, die das bestehende System stabilisieren und legitimieren lehnen wir ab. Dazu zählen insbesondere​​​​​​​ Tier"schutz"ansätze, die Ausbeutung verwalten oder gesellschaftlich akzeptabler wollen – beispielsweise sogenannte „bessere Haltungsformen“, bei denen Ressourcen in den Umbau von Ausbeutung fließen und dadurch notwendiger grundlegender Wandel blockiert wird. Geforderte Veränderungen sollten daher immer danach bewertet werden, ob sie Herrschaftsverhältnisse schwächen oder festigen.

 

Der TLM ist daher kein Raum für:

Tierschutz- oder Reformlogiken, die Ausbeutung verwalten oder legitimieren

moralischen Konsum, individualisierte Schuldzuweisungen oder rein konsum- und lebensstilbezogene Formen von Aktivismus

marktförmige, unternehmerische oder staatliche „Lösungsansätze“

Strategien, die Tierbefreiung von Antikapitalismus, Antidiskriminierung oder Herrschaftskritik trennen.

 

Ansätze, die Tierausbeutung und die Ausbeutung anderer Lebewesen und unserer gesamten Mitwelt isoliert betrachten und gesellschaftliche Macht- und Gewaltverhältnisse explizit ausblenden, halten wir für politisch verkürzt und unvereinbar mit unserem emanzipatorischen Anspruch.

 

Dazu zählen Organisationen, welche Kämpfe, die nicht Tierrechte betreffen als untergeordnet betrachten, diskriminierende Sprache benutzen und mitunter offen für rechtsidiologische Aktivist*innen sind. Instrumentalisierende Vergleiche mit historischen Traumata (z.B. Holocaust oder sexualisierte Gewalt) lehnen wir ab.

 

Diese Abgrenzung richtet sich nicht gegen einzelne Teilnehmende, sondern gegen politische Linien, die mit dem Selbstverständnis unvereinbar sind.

Antispeziesismus stellt für uns einen essenziellen, gleichwertigen Teil unserer Befreiungskämpfe dar. Tierbefreiung sehen wir hierbei als Teil, aber nicht Synonym von Antispeziesismus.

 

Auch Anthropozentrismus - die Hierarchieform, die die Spezies Mensch allen anderen Lebewesen und dem gesamten Planeten überordnet und deren Ausbeutung so legitimieren will - erkennen wir als zerstörerisches Narrativ und Grundlage der Ausbeutung unserer gesamten Mitwelt und Mitlebewesen an.

 

Wir sind uns bewusst, dass eine vollständige Befreiung nicht möglich ist, solange Anthropozentrismus nicht hinterfragt und überwunden wird. Wir hinterfragen ihn und sind offen gegenüber Überlegungen und Handlungen die anstreben, ihn zu überwinden.

Unser Ideal ist eine Welt, in der Menschen keine Nutzungs- und Herrschaftsansprüche gegenüber anderen Lebewesen und dem Planeten erheben und sich ihnen gegenüber stattdessen als gleichwertig ansehen.

Kollapsbewusstsein und Handlungsfähigkeit

 

Wir erkennen an, dass sich das kapitalistische System – und mit ihm die Tierindustrie – in einer ökologischen, sozialen und ökonomischen Zuspitzung befindet, die sich im Zuge des Klimakollapses weiter verschärft.

 

Angesichts dieser Tatsache ist der Aufbau solidarischer und handlungsfähiger Strukturen sowie das Schaffen von Räumen, in denen Austausch zu Gefühlen von Erschöpfung, Ohnmacht, Wut und Zweifel möglich ist, notwendig.

 

Wir erwarten von uns einen offenen, auch kommunikativ respektvollen, gewaltfreien Umgang miteinander. Wir verurteilen keine aufkommenden Gefühle, sprechen sie einander nicht ab und unterstützen einen bewussten Umgang mit ihnen.

 

Wir sind uns bewusst, dass im Umgang mit der Klimakatastrophe und allgemein innerhalb emanzipatorischer Kämpfe eine Vielzahl an Ansätzen verfolgt wird. Wir erkennen an, dass es eben diese Vielfalt an Ansätzen braucht, um unsere Ziele zu erreichen. Wir verurteilen daher nicht pauschal Ansätze anderer Mitkämpfender, sondern sehen unsere Stärke in unserer Diversität.

 

Wir begreifen uns als vereinte Bewegung.

Awareness, gemeinsame Praxis und kollektive Verantwortung

 

Der March ist ein kollektiver Prozess. Inhalte, Framing und Ablauf sollen gemeinsam entwickelt werden. Ziel ist nicht nur eine Demo, sondern auch der Aufbau langfristiger Vernetzung und solidarischer Strukturen.

 

Awareness ist ein zentraler Bestandteil. Ziel ist ein möglichst sicherer, achtsamer und solidarischer Raum - insbesondere für Menschen, die von Diskriminierung, Gewalt oder Marginalisierung betroffen sind.

Unsere Awarenessarbeit orientiert sich an Prinzipien transformativer Gerechtigkeit: Verantwortung statt Bestrafung, Schutz und Unterstützung von Betroffenen sowie kollektive Auseinandersetzung mit Grenzüberschreitungen und ihren strukturellen Ursachen.

 

Grenzüberschreitendes, diskriminierendes oder übergriffiges Verhalten wird ernst genommen und nicht relativiert. Wir erwarten von allen Teilnehmenden die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und zur gemeinsamen Sicherheit dieses Raums beizutragen.

 

Ein ausführliches Awarenesskonzept mit Kontaktmöglichkeiten wird vor dem TLM veröffentlicht.

 

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